Verfasser unbekannt, Nachdruck der Schriftrolle Arrav von Avarrocka, Held der Menschen
Verfassungsdatum unbekannt

Der Fluch erneuert sich
varrocka wurde neu erbaut, und noch bevor der dritte Sommer vergangen war, war es wieder eine geschäftige Stadt. Händler, nicht weiter Überfälle der Goblins fürchtend, brachten eine Vielzahl an Waren auf die Märkte, und Barden kamen von überall her, um den Mann zu sehen, der Frieden mit den Goblins geschlossen hatte.
Arrav jedoch war ruhelos. Jede Nacht blickte er auf der Suche nach Vorzeichen in den Himmel, Vorzeichen darauf, dass sein Untergang gekommen war. Er wußte, dass er aus seiner Heimat fliehen musste, um sie zu retten, wenn er diese Zeichen sähe. Jede Nacht beobachtete er den Himmel und die Sterne, achtete auf Bewegungen in der Dunkelheit, Kometen und den Flug der Vögel.
Dann eines Nachts, zwei Jahre nach dem Friedensschluss mit den Goblins, als Arrav langsam sein Schicksal vergaß, träumte er wieder von der düsteren Gestalt.
In der Mitte eines Feldes traumschwarzen Weizens an einem Fluss geisterhaftem Wassers begegnete er Zemouregal. Erneut war der Mahjarrat in schwarz gekleidet - schwarze Roben an seinem Körper und schwarze Panzerhandschuhe an den Fäusten.
'Du hast versagt, Arrav', sagte Zemouregal mit einer Stimme wie tausend flüsternde Dolche. 'Ich werde nach Avarrocka kommen und es zerstören. Niemand wird um die Stadt weinen, denn ich werde die ganze Menschheit ausmerzen. Ihr Emporkömmlinge werdet die Rückkehr des alten Volkes erleben, das sein Reich neu erobern wird. Meine Legionen werden auf allen Seiten den Horizont verdunkeln, und du wirst der letzte Mensch sein, der noch das Licht erblickt. Dies ist mein Versprechen an dich.'
Arrav öffnete den Mund zum Sprechen, doch er brachte nur Spinnen hervor. Sie liefen über sein Gesicht, bissen ihn, krabbelten über seine Brust und Arme. Stummer Schrecken verzehrte ihn, und er erwachte mit einem Schrei.
Die wenigen der Ältesten, die der Zerstörung des alten Avarrocka entgangen waren, vernahmen den Schrei und wußten, dass Arrav sie verlassen würde. Am Morgen suchten sie ihn auf, doch seine Hütte war leer. Er hatte nichts außer seiner Rüstung und seinen Waffen mitgenommen. Es wirkte, als wäre Arrav nur wie sonst auf die Jagd gegangen.
Nun fürchteten sich die Ältesten und berieten die Gefahren von Arravs Schicksal und erkannten, dass sie die Hilfe alter Verbündeter benötigten. Sie sandten Kundschafter aus, um den Rat der Zwerge und der Menschen weit entfernter Städte einzuholen.
Der Schild wird überreicht
ür Arrav war der Weg jedoch geradlining. Er lief sechs Tage lang und rastete nur wenige Momente auf seiner Reise zu den Imcando, um Wasser zu trinken und trockenes Brot zu essen. Die Imcando, so wußte er, waren die einzige Hoffnung für ihn und Avarrocka. Am Ende des sechsten Tages stand er vor dem Ältesten der Imcando und bat mit letzter Kraft um Hilfe.
'Mein weiser Freund, ich habe erneut von Zemouregal geträumt, und diesmal schwor er, nicht nur mein Heim zu vernichten, sondern mein ganzes Volk, wo auch immer sie sein mögen.'
Der Älteste bedeutete Arrav mit erhobener Hand Schweigen. 'Arrav, wir kennen dein Schicksal, und wir wissen vom Aufstieg des Feindes. Unsere Weisen fühlen das Anschwellen der Dunkelheit im Norden. In den Flammen des heiligen Schmiedeofens sahen sie die Zukunft, und es gibt für uns nur einen einzigen Weg. Wenn der Feind die Menschen besiegt hat, wird sein Blick sich auf die Zwerge richten, und er wird uns vom Angesicht der Welt tilgen wie Ungeziefer. Der Schild ist dein, denn nur du kannst dieses Unheil aufhalten.'
Arrav sammelte sich und richtete sich zu voller Größe auf . Die Zwerge sahen seine edle Haltung und brachten den Schild. Für Arrav sah er aus wie jeder andere, doch die Imcando konnten die verschiedenen Metalle und den Zauber sehen, der auf ihm lag. Arrav hielt ihn vor sich und hoffte, zu erkennen, was die Zwerge sahen.
Der Älteste der Imcando trat vor, kaum bis zu Arravs Hüfte reichend, und erklärte. 'Die Zauber dieses Schildes werden dich vor jeglicher Magie beschützen, die ein Mahjarrat beherrscht. Deshalb will Zemouregal den Schild: mit ihm könnte er jeden seiner Vettern besiegen. Die Mahjarrat sind ein Stamm von eifersüchtigen Einzelgängern und planen ständig, die Macht über andere an sich zu reißen, sich gegenseitig zu versklaven. Nimm diesen Schild, denn mit ihm hat Zemouregal keine Macht über dich.'
Arrav nahm den Schild, verbeugte sich und verließ die Zwerge.
Die Erfüllung von Arravs Schicksal
issend, dass das Schicksal seiner Heimat auf dem Spiel stand, eilte Arrav zurück, so schnell seine Füße ihn trugen. Die Menschen von Avarrocka waren in seiner Abwesenheit nicht untätig gewesen, und als er die Stadttore erreichte, sah er eine Hundertschaft Soldaten von überall aus den Ländern der Menschen. Innerhalb der Stadtmauern warteten zwei Dutzend Zwerge in dicker Rüstung mit Äxten und Hämmern. Überall um ihn wurde die Stadt befestigt.
Arrav ging ohne Zögern zur Halle der Ältesten und trat mit dem Schild in der Hand vor sie.
'Ich bin zurück, und mit mir der Schild der Imcando, der das Ende von Zemouregal bedeutet.', sagte er. 'Seine Magie wird daran zerschellen und ich werde den Zorn meiner Klinge in sein Herz treiben. Die Menschen müssen sich nicht fürchten, denn wo ich gehe, wird eine Wüste für unsere Feinde und ein Paradies für unser Volk sein.'
Die Ältesten versammelten sich und flüsterten Worte, die Arrav nicht hören sollte. Nach einiger Zeit erhob der Älteste seine Stimme:
'Arrav von Avarrocka, wir sehen deinen Glauben an unsere Götter und die Stärke deines Armes, aber was uns bevorsteht, ist größer als jede Armee, von der unsere Chroniken berichten. Diesen Morgen kehrten unsere Späher zurück, um von der Horde im Norden zu berichten. Die Toten sind in unvorstellbarer Anzahl auferstanden und marschieren hierher. Sie verwüsten das Land und verbrennen die Wälder, und bis zum Morgen werden sie vor unseren Mauern stehen. Wir vertrauen dir, aber deine Vorbereitungen für den Krieg bedürfen höchster Eile.'
Arrav war von seiner Reise ermüdet, aber er erkannte die Wahrheit in den Worten der Ältesten. Nach einer nur kurzen Rast versammelte er alle Männer und Frauen von Avarrocka und bewaffnete sie, so gut er konnte. Heugabeln, Stöcke und Schaufeln wurden die Schwerter und Speere seiner Verteidigung. Die Soldaten aus der Ferne kannten ihre Pflichten, und Bogenschützen wurden auf den Mauern postiert. Die Zwerge gruben Gräben außerhalb der Mauern und errichteten hastig Hindernisse, um die Armee der Untoten zu bremsen.
Die ganze Nacht über bereitete die Stadt sich vor, doch als die Sonne über den Horizont stieg, sank allen der Mut.
Von Horizont bis Horizont erstreckte sich ein Schatten, zuckend und sich bewegend wie ein lebendes Wesen. An der Spitze konnte Arrav die große, dunkle Gestalt von Zemouregal erkennen. Seine Augen waren rotglühende Kohlegruben und sein Körper war von schwarzem Rauch und Schlangen aus Blut umgeben.
Nicht einmal hundert Schritt vor der Stadtmauer verrharrten die schlurfenden Skelette und Zombies. Zemouregal schritt vor, hob seinen Blick zu Arrav und lachte. Am Himmel nahmen Albträume aus Staub und Feuer Form an, hangen einen Moment in der Luft und stürzten dann auf die Verteidiger herab. Einhundert Pfeile schossen durch die Luft, nur um verbrannt und zerbrochen durch die Geister hindurch zu fliegen.
Als sie zuschlugen, stürzten ein Dutzend Männer mit aschfahlen Gesichtern und tiefen Wunden von ihren Posten. Doch als sie versuchten, Arrav zu erreichen, kreischten und verblassten die Geister und lösten sich wie Asche im Wind auf. Arrav schrie seinen Trotz auf das Feld hinaus und sprang von der Mauer, um sich der Armee des Mahjarrat entgegenzustellen.
Unter einem Regen von Pfeilen zuckten die Untoten wie ein einziges Wesen vorwärts, doch nichts konnte ihren Vormarsch bremsen. Vor den Augen der Verteidiger erhoben sich ihre gefallenen Kameraden vom Boden, um nach jenen zu schlagen, die einst ihre Freunde waren. Jeder gefallene Mann erhob sich wieder mit verbogenen Klingen und zerschmetterten Gliedern. Arrav stand wie ein Krieger der Götter unter den Untoten, und nichts konnte sich ihm nähern, ohne von seinen mächtigen Hieben niedergemäht zu werden. Jene, die er mit seiner Klinge traf, erhoben sich nicht wieder, und schon bald türmten sich die Leiber seiner Feinde um ihn herum auf.
Er sprang vorwärts in die Mitte von Zemouregals Armee und schnitt sich einen Weg zu dem Hexer. Hinter him verteidigte Avarrocka sich tapfer, aber der Rand der Stadt stand bereits in Flammen und Horden von Untoten streiften ungehindert durch die Straßen. Nur an Blockaden und befestigten Häusern konnten die Menschen und Zwerge den Vormarsch verlangsamen.
Schließlich befreite sich Arrav von der Armee und trat Zemouregal gegenüber. Der Mahjarrat war kleiner als Arrav, hielt aber in seiner Hand ein Schwert aus Schatten und Rauch.
'Dein Ende ist gekommen, närrischer Schwächling!', sagte Zemouregal. 'Dein Schild beschützt dich vor meiner Magie, aber dein Heim wird in Blut ertrinken. Dein Volk wird geschlachtet und erhebt sich wieder als meine Sklaven, und du stehst vor mir wie ein wütendes Kind und wirst nun die Macht meiner Hand spüren.'
Mit diesen Worten sprang Zemouregal mit einer Geschwindigkeit nach vorn, wie sie Arrav noch nie zuvor gesehen hatte. Trotz Zemouregals schmalem Körper fühlte Arrav eine unmenschliche Stärke hinter jedem parierten Hieb. Es kostete ihn seine gesamte Anstrengung, sich zu verteidigen, und Arrav konnte kaum einmal daran denken, selbst Angriffe auszuführen. Hinter ihm stürzte Avarrocka immer weiter ins Chaos.
Arrav hielt inne, als er erkannte, dass das Schicksal seines Volkes nicht mit seinem eigenen Untergang verbunden war. Das Schwert des Hexers glitt durch seine Verteidigung und schnitt tief in Arravs Bein. Zemouregal lachte nur lauter und warf seine Kapuze zurück, einen Schädel mit brennenden Augenhöhlen entblößend, mit denen er die verwüsteten Felder begutachtete - und überall, wo er hinsah, walteten nur Tod und böse Magie. Arrav blickte auf seinen trotz aller Schläge immer noch makellosen Schild und sah seinen wahren Weg.
Er begann, auf die Stadt zuzulaufen, nahm den Rand seines Schildes in die Hand und warf ihn, wie man einen Stein übers Wasser wirft. Der Schild glitt durch die Luft und landete inmitten der brennenden Gebäude, wo einen Moment lang nichts zu geschehen schien. Doch auf einmal zerfielen alle untoten Monstrositäten in der Stadt mit einem Seufzen zu Staub, die Feuer glommen schwächer und die Albträume am Himmel kreischten ein letztes Mal. Einige Männer spähten über ihre Barrikaden und die Zwerge erhoben sich aus einem Krater voller Leiber ihrer Feinde, um zu sehen, was geschehen war. Ein junger Mann, nicht älter als sechzehn Sommer, stand mit dem Schild in der Hand in der Mitte der Straße.
Arrav erkannte den Mann sofort: es war der Enkel des Ältesten, der in der Nacht zuvor zu ihm gesprochen hatte, ein Mann von Ehre und Mitgefühl. Doch kaum, als er diesen Gedanken zu Ende führte, wurde Arrav von einem Schlag magischer Energie im Rücken getroffen und zu Boden geschleudert.
Zemouregal stand über ihm, als er versuchte, vor Schmerz fast bewegungsunfähig durch den Staub und Schlamm zu kriechen.
'Narr!', fauchte der Mahjarrat. 'Du hast dich selbst geopfert, um deine Heimat zu retten, doch nichts kann sie vor mir beschützen. Ich werde wiederkehren, denn Jahrzehnte vergehen für meinen Stamm wie Augenblicke und nichts kann sich unserem Willen auf ewig widersetzen. Doch wenn ich zurückkehre, wirst du meine Armeen anführen. Du wirst mein mächtigster General; du wirst unter dem Wissen leiden, dass du zum Verhängnis deines Volkes wirst, obwohl du dich selbst für seine Rettung geopfert hast.'
Ranken öligen Rauches krochen aus Zemouregals Händen, schlängelten sich über den verwüsteten Boden zu Arrav und ergriffen ihn mit gewaltiger Kraft. Einige Momente widersetzte er sich ihrer Macht, doch schließlich gab er auf und wurde schlaff. Blass und still geworden war Arrav, der größte Held der Menschen, schließlich tot.
Wir erinnern uns für sein Opfer an Arrav. Wir erinnern uns, dass sein Schicksal nicht seine eigene Wahl war und wir erinnern uns als Beispiel für uns alle an ihn. Denn obwohl er stärker und schneller war als jeder andere Sterbliche, kann jeder einzelne seinen unbeugsamen Willen und sein Mitgefühl zu erreichen suchen. Wir erinnern uns auch an Arrav, weil wir jederzeit auf seine Rückkehr vorbereitet sein müssen, so traurig dies sein mag.
Wenn euch diese Geschichte gefallen hat, sollet ihr das Abenteuer 'Verteidiger von Varrock' ausprobieren.

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